Der kühle Dolomitenmorgen endet in der heißen Ebene

Heute sind wir wirklich in Italien angekommen, zumindest atmosphärisch. Am Ziel in Crespano del Grapa sind es 30 Grad im Schatten, gefühlt mindestens 40. Zwischen dem Start um 9 Uhr im beschaulich, kühlen Falcade und der Zielankunft der Sieger um 13 Uhr liegen fast 20 Grad Temperaturunterschied, 128 Kilometer, 3.047 Höhenmeter, strapazenreiche Anstiege und gefährliche Abfahrten. Heute bin ich live dabei: Ich fahre mit Uli Stanciu, dem Rennleiter, im Leading-Car.


Jeden Tag fährt Uli, der Vater oder Erfinder der TOUR und BIKE Transalp, mit den Führenden die Strecke. Es sind seine Routen, die wir jeden Tag fahren, Routen, die er in über 20 Jahren zusammengestellt hat und die er fast auswendig kennt. Ich gebe zu, ich bin aufgeregt, so nah dabei zu sein. Gemeinsam mit Uli quetsche ich mich durchs Dachfenster des PKWs und filme und fotografiere zugleich den Start, die 500 Meter Neutralisation und dann drücke ich den Knopf für die grüne Kennleuchte, die Strecke ist fürs Rennen freigegeben. Auf geht’s.
Mit einem Wahnsinnstempo stürmen alle den ersten Anstieg hoch, als gäbe es nur diesen einen…Allen voran Johannes Berndl, mit seinem Partner Hans-Peter Obwaller Gesamtführende. Sie fahren gleich zu Beginn mit einem starken Tempo Richtung Passo Valles und fahren nach und nach bis zu 2 Minuten Vorsprung heraus. Mit knapp 15 km/h fahren wir den beiden voran und ich habe Zeit Uli ein wenig zu löchern. Wie er denn auf die Idee kam, über die Alpen zu fahren und ich erfahre, dass die Idee aus einem spontanen Ausspruch entstand. Nach einer dreitätigen Fahrt durchs Karwendel meinte Uli: „Da können wir doch gleich ganz über die Alpen fahren“. Ein wenig Vorbereitung brauchte es dann ja doch und 1990 zogen sie los, ein Journalist (Uli) und seine beiden Freunde, ein Rechtsanawalt und ein Philosoph mit Kompass und Karten bewaffnet auf Starrbikes und von Funktionskleidung weit entfernt. Das war noch ein Abenteuer.
Abenteuerlich ist es aber trotz moderner Technik und viel Unterstützung bis heute gebelieben, denn die Berge sind immer eine Herausforderung. Wie schnell da was passiert musste auch schmerzlich das Führungsduo heute erfahren: Nach all den Strapazen bergauf, begann dann endlich die letzte Abfahrt des Tages bei Kilometer 101 auf dem Monte Grappa und in der zweiten Kurve stürzt Johannes. Er hat Glück gehabt, ihm ist nichts passiert, nur sein Vorderrad ist lädiert, nach hundert Metern ist es platt und die Führung ist hin. Das war ein Schreck und Uli: „Dass es den Führenden schmeißt, habe ich noch nicht erlebt.“
Es gibt also nichts, was es nicht gibt. Am Ziel bin ich auch ganz erschöpft. Die vielen Kurven mit bis zu 90km/h im heißen Auto sind auch kein Spaß. Doch all unsere Teams kommen heil ans Ziel, nur Pia hat ein paar Schürfwunden, auch sie hat´s erwischt. Christian und Tobias vom Team SIGMA GLATTE WADE 1 haben sich auf den 11. Platz vorgekämpft und in unserer Unterkunft abends meine ich zu ihnen: „Da geht doch noch was, oder?“

SIGMA SPORT
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