Insiderbericht: Die Tour of Qinghai Lake

“Jedes Jahr aufs Neue raubt es uns den Atem. Sei es wegen der Höhe oder den einmaligen Erlebnissen.” Das Team BIKE AID berichtet für uns hautnah vom größten Radrennen Asiens.

91_Tour_of_Qinghai_Lake_BIKE_AID_2019_C_Marleen_StoelSeit 2014, somit seit Beginn unseres Profi Teams, nehmen wir jährlich an der Tour of Qinghai Lake teil. Die zweiwöchige Rundfahrt bietet Superlative und besondere Erlebnisse am Fließband. Das höchstgelegene Radrennen der Welt, die Begeisterung der Zuschauermassen, die Natur auf dem Tibet Hochplateau, die Hitze in der Wüste und die Skylines der Millionenstädte. All das trifft zu, darüber können wir jedes Jahr erneut Berichten und jedes Jahr sind unsere Fahrer erneut so beeindruckt von diesem außergewöhnlichen Rennen. Über unsere Begeisterung für dieses Rennen machen wir keinen Hehl, es ist die Tour de France Asiens, die einzige zweiwöchige Rundfahrt im UCI Kalender. Damit das längste Rennen nach den drei Grandtours Tour de France, Giro d´Italia und Vuelta Espagna.

Unsere Meinung über China hat sich durch unsere Teilnahmen sehr verändert. Und letztlich ist das auch die wichtigste Botschaft, die wichtigste Erkenntnis, die wir in all den Ländern auf unseren Reisen entdecken: Wer sich ein Urteil über ein Land und dessen Menschen erlauben möchte, sollte dort hinreisen und eintauchen. Dann verändern sich Blickwinkel und Meinungen. Aber nicht im Hotel, Cluburlaub oder in der Reisegruppe zu den Standard-Touristenspots, sondern indem man sich zu den Menschen auf der Straße begibt.

Bild 2Im Wortsinn auf die Straße begeben wir uns bei jedem Rennen. Wir durchfahren die Lebenswirklichkeit der Menschen und erleben ein ganzes Land aus eigener Kraft. Und bei der Tour of Qinghai Lake führt uns die Straße gefühlt nah an den Himmel. 2017 lag die höchste Bergwertung des Rennens auf 4.300m, 2019 bei 4.100m. Spätestens dort oben schwinden die Kräfte, die Luft wird dünn und die Beine schmerzen. Man hadert in jeder Sekunde mit sich, doch besser vom Rad zu steigen und der Qual ein Ende zu setzen. Kommt man dann in den Abfahrten wieder in niedere Gefilde und der Sauerstoffgehalt nimmt zu, wird man euphorisch, spätestens wenn man im Ziel von den tausenden Zuschauern gefeiert und umringt wird.

Der ROX 12.0 SPORT, macht auch in über 4000m Höhe eine gute Figur

Der ROX 12.0 SPORT, macht auch in über 4000m Höhe eine gute Figur

Bild 3Sechs mal in Folge hatte unser Team bereits das Privileg an diesem außergewöhnlichen Rennen teilzunehmen, und sechs mal war Daniel Bichlmann dabei.

Daniel Bichlmann bereits zum 6. Mal am Start der Tour of Qinghai Lake

Daniel Bichlmann bereits zum 6. Mal am Start der Tour of Qinghai Lake

Daniel Bichlmann ist im echten Leben Kaminfeger, wohnt im tiefsten Bayern an der Grenze zu Österreich und hat seine sportliche Heimat dank BIKE AID 600km entfernt im Saarland gefunden. Er schwingt sich morgens um 6 in der Früh auf sein Rad um selbst bei Dunkelheit, Regen oder Schnee zur Arbeit zu radeln. Dazwischen fährt er Profirennen, steht am Start mit dem amtierenden Weltmeister oder fährt Rundfahrten auf dem ganzen Globus. Diese außergewöhnliche Geschichte hat ihn schon ins legendäre Rouleur Magazin gebracht.

Für Daniel ist die Tour of Qinghai Lake seine Tour de France. Um bei diesem Rennen zu bestehen, welches so viele Extreme bietet, muss er alles in eine Waagschale werfen. Wochen zuvor beginnt er seine Askese, erlaubt sich keine Süßigkeiten mehr, trainiert streng nach Plan und muss dennoch täglich zur Arbeit.

Bild 4Daniel war in seiner Jugend ein hoffnungsvoller Nachwuchsfahrer, zählte als Amateur zur nationalen Spitze und gewann immer wieder prestigeträchtige Rennen. Aber er merkte bald, dass es zum Weltklasse Profi nicht reichen würde. Dennoch ist seine Passion für den Radsport so groß, dass er nicht davon lassen kann.

Heute fährt er mit Spitzensportlern wie Nikodemus Holler, Lucas Carstensen, Justin Wolf, Adne van Engelen, Hafetab Weldu und dem amtierenden Afrika Meister Mekseb Debesay im Team bei der Tour of Qinghai Lake und muss diese unterstützen. Bevor es z.B. hinauf Richtung viertausend Metern auf den Bergen des Tibet Plateaus geht und die Topfahrer um Ergebnisse kämpfen, muss Daniel unzählige Trinkflaschen am Teamwagen holen und die Jungs versorgen. Geht es um einen Sprint, muss Daniel Tempoarbeit leisten bis zur totalen Erschöpfung und wurde schon oft belohnt, wenn z.B. ein Lucas Carstensen anschließend den Sieg einheimste.

Bild 5Auch ohne Etappensieg kann unser Team zufrieden auf die diesjährige Teilnahme zurück blicken. Justin Wolf zeigte einmal mehr sein Potential im Zeitfahren, als er mit Platz 4 um zehn Sekunden das Podium auf der siebten Etappe verpasste. Lucas Carstensen belegte auf der finalen Etappe in Yinchuan Platz 5 im Massensprint. Auf der vierten Etappe nach Longyangxia prägte Mekseb Debesay das Rennen über den 3.745m hohen Pass, belegte Platz 4 und sorgte am Ende mit Platz 19 erneut für eine Top 20 Platzierung in der Gesamtwertung.

Bild 6Wirft man einen Blick in die Mannschaftswertung, zeigt sich erneut die breite Aufstellung des Teams. Dieses Jahr nahmen ganze 6 europäische Pro Kontinental Mannschaften an der Qinghai Lake teil. Die 4 spanischen und italienischen Mannschaften, welche an Giro d´Italia und Vuelta Espagna teilnehmen, landeten abgeschlagen hinter der kleinen deutschen Mannschaft, welche den 7. Platz belegte.

Bild 7Erneut hat die Tour of Qinghai Lake uns eindrucksvoll bewiesen, das Radsport mehr ist als Tour de France. Das hunderttausende Zuschauer begeistert in China den Radsport feiern, das Radsport einzigartige Bilder und Emotionen liefert und das es ein kleines Team aus dem Saarland gibt, welches den Globus erobert.

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