Freizeit, Technik

ROX 12.0 Bikepacking-Tour von Trier nach Potsdam

In unserem Juni-Newsletter haben wir einen Aufruf gestartet und Blogger gesucht, die unseren ROX 12.0 auf ihrer Reiseroute testen wollen. Mirko Löhmann ist unserem Aufruf gefolgt. Hier kommt sein Reisebericht:

Mein Interesse richtete sich schon vor geraumer Zeit auf den ROX 12.0, nachdem ich auf Radreisen durch Dänemark und England bereits mit Fahrrad-GPS-Geräten anderer Hersteller Erfahrungen sammelte. Das Werbeversprechen, mit dem SIGMA ROX 12.0 SPORT einen Navigationscomputer mit intuitiver Bedienung und „vollwertiger Navigation“ inklusive Abbiegehinweisen zu erhalten, löste entsprechend hohe Erwartungen in mir aus.

Vorbereitungen

Der Tourstart Anfang Juli 2020 in Trier verlief ziemlich geordnet. Klar, ich bin schon seit einigen Jahren Komoot-Fetischist. Die Streckenplanung habe ich im Vorfeld mit dessen Software erledigt. Keine minutiöse PC-Planung von Wegpunkt zu Wegpunkt. Vielmehr habe ich die Gesamtstrecke von 1000 grob abgesteckt und anschließend Komoot die Tagestouren rechnen lassen. Ca. 30-40 km vor dem Tagesziel suche ich mir dann in der Regel geeignete Campingplätze. Dank nahtloser Komoot-Integration synchronisiert der SIGMA ROX 12.0 alle in Komoot geplanten Strecken 1:1 auf das Gerät.

Gepäck und Bike Setup

Mit 8,5 kg Gepäck, verteilt auf Seatpack, Lenkerrolle und Oberrohrtasche kann man nicht viel falsch machen. Unnötiges weglassen ist das oberste Gebot. Zu meinem Equipment zählen neben den Radklamotten auch ein Zelt (1,2 kg), Schlafsack (ca. 800 g), eine Isomatte (ca. 400 g), Gaskocher, Geschirr, Werkzeug und 2 Ersatzschläuche. Bin kein Ultralight-Junkie, der jedes Gramm zählt und Stiel seines Löffels kürzt. Was leicht ist, geht auch leicht kaputt. Aber Deutschlands Mitte zieren mit Hunsrück und Harz zwei Mittelgebirge, die mit einigen knackige Anstiegen versehen sind. Diese wollte ich natürlich qualfrei überwinden, ohne zu viele Körner zu verlieren. Sollte ich das Rad auch einmal tragen müssen, spielt mir das geringe Gesamtgewicht des Kinesis UK Rades und des Gepäcks in die Karten.

Tourtag 1 – Von der Mosel an den Rhein

Trier nach St. Goar – 120 km, 1563 Höhenmeter

Gleich hinter Bernkastel-Kues ging es los und nach 50 km erwarteten mich zwei schwere Anstiege, die mich zwischen dem Moseltal und dem Hunsrück ordentlich forderten. Auch wechselte der Untergrund ständig zwischen zugewachsenen und schmalen Waldwegen, Asphaltpassagen und schlechten Schotterwegen. Das Kartenbild des ROX 12.0 klärte mich dank verschiebbarer Karte immer über das vor mir liegende Gebiet auf. Der Prozessor reagiert derartig fix, dass der Kartenaufbau blitzzschnell gelang und ich mir ständig einen guten geographischen Überblick verschaffen konnte.

Hinter Kastellaun verlief die Strecke auf einer ehemaligen Bahntrasse leicht abfallend in Richtung Rhein. Natürlich durfte der Regen nicht fehlen und ich wurde ca. 20 km vor dem Ziel ordentlich nass. Mein Zelt habe ich dann in St. Goar auf dem Campingplatz gegenüber der Loreley aufgebaut. Laden musste ich den Rox 12.0 dann am Abend nicht mehr. Dank eines über den Nabendynamo betriebenen Ladereglers konnte ich meine Elektronik bereits während der Fahrt vollständig laden. Ein wenig Komfort darf es dann doch auch sein.

Tourtage 2 und 3 – Hessen

Tag 2: Von Goarshausen (Rhein) nach Wißmar bei Gießen – 117 km, 1779 Höhenmeter

Tag 3: Von Wißmar nach Quentel (Nordhessen) – 118 km, 1256 Höhenmeter

Ich hätte am Abend zuvor schon auf die andere Rheinseite wechseln sollen. Stattdessen fuhr die Fähre vor meiner Nase weg. Ein Bäcker und Einkaufsmöglichkeiten warteten ebenfalls drüben. Erst morgens halb zehn in Deutschland kam ich dann bei Kaiserwetter in den Tritt. Aus dem Rheintal ging es immer nach Nordosten. Mich erwarteten mal mehr und mal weniger gut ausgebaute Feldwege, wenig befahrene Straßen und immer wieder einsame Waldwege. An diesem Tag überwand ich 1.779 Höhenmeter, was meine Durchschnittsgeschwindigkeit enorm nach unten drückte. Der wechselnde Untergrund mache mir weniger zu schaffen als das intervallartige Auf und Ab den ganzen Tag. Ja, das kenne ich aus dem Moseltal und so gönnte ich mir an diesem zweiten Tag die eine oder andere außerplanmäßige Pause.

Fasziniert war ich von der Präzision der Höhenmessung des SIGMA Computers. Denn gewöhnlich weichen die von der Tourenplanungssoftware errechneten Höhenmeter häufig stark von den tatsächlich gefahrenen Höhenmetern ab. Der SIGMA ROX 12.0 war verdammt nah an Komoots Berechnungen dran. Hut ab! Erstmals musste ich mich durch eine größere Stadt navigieren lassen.

In der City neigen Fahrradnavis wegen der vielen Straßen, der dichten Bebauung und der häufigen Richtungswechsel häufig zur Überfrachtung an Informationen. Wie schnell kommen beim SIGMA-Computer die Abbiegehhinweise? Auch hier liefert das Gerät ab. Bin also prima durch die Gießener Rush hour gekommen. Der Warnton vor dem nächsten Richtungswechsel war nicht zu überhören (aber auch nicht nervig). Der ROX 12.0 zoomt zudem ohne mein Zutun vor der nächsten Abbiegung in die Karte hinein. An der Lahn wurde es dann ruhiger, der Zeltplatz war keine 8 km entfernt. Zeit für den perfekten Tagesabschluss beim Bier an der Strandbar.

Am dritten Tourtag 3 von Wißmar nach Quentel (Nordhessen) setzte dann früh morgens der Regen ein und hielt sich wacker bis zum späten Nachmittag. Lief nicht viel zusammen an dem Tag. Gleich morgens hatte ich im Wald einen Reifendurchschlag, der nächste folgte zwei Stunden später auf einem Schotterweg. In Treysa, also im hessischen Hinterland, durfte ich dann zwei neue Schläuche nachkaufen. Aber besser so, als unterwegs zu flicken. Vielleicht steige ich doch noch auf Tubeless um.

Da ich in Melsungen keine Lust auf ein Hotel hatte, steuerte ich den 20 km entfernten Campingplatz in Quentel nahe Hessisch-Lichtenberg an. Dabei überwand ich noch einmal ca. 300 Höhenmeter. Angekommen am Ziel, zauberte die Betreiberin (und Wirtin in Personalunion) noch kurz vor Küchenschluss ein fantastisches Thüringer Rostbrätel aus der Pfanne (Nackensteak mit Bratkartoffeln). Der Abend klang dann bei guten Gesprächen mit wildfremden, aber sehr herzlichen Menschen und isotonischem Bier am Stammtisch aus. Für solche Momente gehe ich auf Tour!

Tourtage 4 und 5: Norddeutsche Tiefebene

Tag 4: Hessisch-Lichtenberg nach Wittmar (bei Wolfenbüttel, Niedersachsen) – 166 km, 1190 Höhenmeter

Tag 5: Wittmar nach Jerchel (Altmark); ab hier Höhenprofil irrelevant

Mit knapp 170 km mein sportlichster Tag soweit. Nach 2-3 Tourtagen kommt die Routine ins Spiel. Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Nach der Dusche packte ich Zelt und die am Vorabend gewaschenen Sachen in die Taschen. Da es die ganze Nacht regnete, blieben aber jegliche Trocknungsversuche erfolglos. Auch das Zelt hatte angesichts der Durchfeuchtung ca. 1 kg an Gewicht zugelegt. Ich war nass, bevor ich überhaupt in die Pedale treten konnte. Nun kommt die Psyche ins Spiel. „Positiv bleiben“, lautet dann die Devise und möglichst von Stunde zu Stunde planen. Zum Glück erwachte mein Laderegler bereits am Vortag aus dem Dornröschenschlaf und verhalf mir zu voll geladener Bordelektronik. Meine Pläne für den Tag lauteten also, mich trocken zu fahren und so weit wie möglich Richtung Norden zu kommen. Leider nahm der Regen in den ersten beiden Fahrstunden noch zu.

Bei dieser Gelegenheit konnte ich aber den SIGMA ROX 12.0 SPORT auf seine Wetterfestigkeit prüfen.  Dicke Regentropfen schienen dem Computer aber nichts anzuhaben. Auch der Seitenwechsel per Wischbewegung klappte weiterhin. Die Ablesbarkeit der Karte und Datenfeld war ebenfalls problemlos möglich. Was soll ich sagen? Mich begeisterte bereits am ersten Tag die intuitive Bedienung, denn die Datenseiten können sowohl per Wischbewegung auf dem Touchscreen und zusätzlich per Schaltwippen an den Seiten des Gerätes gewechselt werden. Um diese Funktionen zu testen, war zwar kein Dauerregen nötig. Schön ist aber, dass der ROX auch unter widrigen Bedingungen macht, was er soll – er funktioniert.

Zwar verbuchte ich an der Landesgrenze zu Niedersachsen noch eine Reifenpanne bei ca. 45 km/h (Gravelreifen mögen keinen hohen Luftdruck) auf meinem Konto, doch ich hakte das prompt als Abschiedsgeschenk aus Hessen ab. So schön das Bundesland in unserer Mitte ist, den Seuchenvogel konnte ich erst im Nachbarbundesland abschütteln. Kein Witz, ab Niedersachsen lief es plötzlich. Trotz langem Abend zuvor wurden meine Beine besser. Der Himmel riss plötzlich über Göttingen auf und die Sonne zeigte sich nun regelmäßig. Da ich die Universitätsstadt bereits durch das Studium meiner Frau kenne, verzichtete ich auf Sightseeing machte mich schnellstmöglich in Richtung Harz auf.

Zwei Routen standen zur Auswahl: Entweder über Bad Lauterberg in Richtung Brocken oder alternativ den Harz streifend, um die Kinder vor ihrer Urlaubswoche mit der Tante in der Nähe von Wolfenbüttel/Braunschweig zu besuchen. Ich entschied mich dann am Mittag für die 2. Option, denn ich hatte „diamantene Beine“ für die letzten 100 km, und der Harz wartet ja vermutlich noch länger auf mich. Hatte mich wohl die letzten Tage ganz gut eingerollt mit Crossrad. Durch den Rückenwind und fast durchgängig asphaltierte Wege, navigierte mich der SIGMA Fahrrad Computer westlich des Harzes dann in Richtung Braunschweig / Wolfenbüttel. Zwar erwartete mich bei Seesen (Harz) noch eine gesperrte Autobahnunterführung. Aber die Neuberechnung der Route übernahm der SIGMA ROX 12.0 SPORT anstandslos.

Nach der mit knapp 170 km bisher längsten Tagesetappe am Vortag, waren es nun keine 100 km mehr bis ins Ziel. Da der Elm nicht wirklich hügelig ist, gestaltete sich der anschließende 5. Fahrtag von Wittmar nach Jerchel in der Altmark unkompliziert. Da ich die Strecke größtenteils kannte, konnte ich mich entspannt bei der einen oder anderen Kaffeepause zurücklehnen und hätte am Freitagmittag bereits in Jerchel in der Altmark ankommen können.

Fortsetzung der Tour


Altmark – Brandenburg – Potsdam – Havelberg und zurück (insgesamt 400 km an vier Tagen)

Aufgrund eines familiären Zwischenfalls konnte ich die geplante Tour nach Potsdam leider erst nach ein paar Tagen Unterbrechung fortsetzen. Nach insgesamt über 600 km von Trier in die Altmark begleitete mich nun mein Frau auf dem Weg nach Potsdam, um auf einer kleinen Rundtour das nördliche Brandenburg mit mir zu erkunden. An insgesamt 4 weiteren Fahrtagen fuhren wir abermals durch Wald und Flur, hielten uns aber insgesamt eher an die Routenführung entlang klassischer Radwege. Keine spektakuläre Herausforderung für den SIGMA ROX 12.0 SPORT, der weiterhin anstandslos seinen Dienst verrichtete und sicher entlang der Havel und durch die Städte Brandenburg und Potsdam leitete.

Mein persönliches Fazit:

Insgesamt war und bin ich sehr glücklich mit dem SIGMA ROX 12.0 SPORT. Besonders gut gefällt mir, dass das Entwicklerteam aus dem rheinland-pfälzischen Neustadt einen Trainingscomputer mit vollwertiger Navigation erschaffen hat, der seine Stärken sowohl auf Asphalt als auch im Gelände ausspielt. Ich bin weder Radsportler, noch Produkttester. Ich würde mich eher als radbegeisterten Tourer mit Lust auf wöchentliche Trainingsausfahrten bezeichnen. Ob Mountain Bike, Rennrad oder in meinem Fall Cross-Bike mit Rennradgenen, ich würde mich gar nicht auf einen Einsatzzweck des ROX 12.0 festlegen wollen.

Ich für meinen Teil habe in den letzten Tagen eine sehr zuverlässigen, tourentauglichen und allzeit einsatzbereiten Bike-Navigationscomputer kennengelernt, der mir angesichts seiner Fähigkeiten den Verzicht auf klassische Papierkarten sehr leicht machte. Kein reduziertes, akkuschonendes Kartenbild, das mir die Orientierung erschwert. Eine vollständige Karte mit satten Farben helfen bei der Orientierung. Man merkt dem SIGMA ROX 12.0 eben an, dass das Gerät gleich neben dem Firmengelände im dichten Pfälzer Wald getestet worden sein muss. Vor allem kann ich aber sagen, dass mich der ROX zu keiner Zeit überforderte. Dank seines klaren Bedienkonzeptes behält man auch am Ende des Tages, dann wenn der eigenen Akku meines Körpers sich dem Ende neigt, trotzdem stets den Überblick.

Aber warum nicht das Smartphone nehmen, wenn der SIGMA ROX 12.0 SPORT doch schon mit Android-Genen daherkommt? Der ROX hat gerade in der Praxis bewiesen, dass originäre Radcomputer für den Zweck da draußen auch mit grenzwertigen Bedingungen besser zurecht kommen. Stets war das GPS-Signal da. Keine Empfangsschwächen im Wald, dazu bin ich im Always-on-Modus, also mit permanent eingeschaltetem Display, gefahren.

Nicht gerade Ressourcen schonend, wie ich finde. Dennoch waren 9-11 Stunden Akkulaufzeit stets drin. Ein sehr guter Wert, wie ich finde. Ich bin nie auf den letzten 10% Kapazität unterwegs – kann ja immer was sein. Die von SIGMA im März-Update nachgereichte Schnell-Ladefunktion nutzte ich, wenn ich während meiner Mittagspause den Akku kurz an die Steckdose oder Powerbank hing. Für eine Dauerversorgung mit Ladestrom aus dem Nabendynamo ist mir der neue Akku des ROX einfach zu schade.

Sowohl der Kartenumfang (Unterteilung nach Kontinenten und Ländern),  Detailgrad der Karten als auch die Tourenplanung ließen eigentlich keine Wünsche offen. Ich fand mich an jedem der insgesamt 9 Fahrtage prima zurecht, kam erstmalig komplett ohne Papierkarten aus. Ich hatte keinerlei Softwarehänger, Systemausfälle oder Fehlaufzeichungen zu beklagen. Für mich ein Novum, da ich in der Vergangenheit bereits einige Erfahrungen mit eindringendem Wasser, Software-„Bugs“ bei starkem Regen und hohen Temperaturen machen durfte.

>> Mehr zum ROX 12.0 erfährst du auf der SIGMA SPORT Homepage.